21. Januar 2026
Games Lift: Curio Compass zeigt auf neue Ideen
Das Trio hinter Curio Compass zeigt mit „Limbo City AfterLIVE“ ein Gespür für originelle Ideen. Und beweist im Games Lift Inkubator Mut zur Veränderung.

Würde er dabei nicht grinsen, wäre die Geschichte hart. Er habe versucht, die Open-Source-Game-Engine Godot „zu den Massen zu bringen“, beschreibt Programmierer und Engine-Spezialist Adnan Akhtar seinen Einsatz im Studium an der HAW Hamburg. „Ich fragte rum, wer arbeitet noch mit Godot? Aber zuerst wollte niemand aufspringen.“
Offensichtlich übertreibt Adnan beim Erzählen der Anekdote ein wenig, denn auf diese Frage hin hat sich das Team gefunden. Auch Game Designer Felix Swimmer hatte nach mehreren Jahren Erfahrung mit anderen Engines Lust auf eine Alternative. Visual Artist und Narrative Designer Adrian Colmenares war ebenfalls schnell dabei.
Dem Trio gefiel nicht nur die Funktionsweise der Engine, sondern auch das Statement dahinter: Sie wollen mit Open-Source-Tools arbeiten. Und sie wollen einzigartige Spiele schaffen, die ermutigende Geschichten erzählen. Schnell entstanden erste Spielentwürfe, im Inkubator sind die drei nun mit ihrem ersten größeren Projekt: „Limbo City AfterLIVE“.
Reality-Fernsehen in Limbo City
Das Konzept ist kurios: In dem narrativen Roguelite muss eine Gruppe Menschen in einem Reality-TV-Format bestehen, um Limbo City irgendwann wieder verlassen zu dürfen. Dabei kommt es zu Duellen mit anderen Teams, natürlich vor einem virtuellen Publikum. Ursprünglich hieß das Projekt „Phasmopass“; die Teams sollten Volleyball gegeneinander spielen. Inzwischen ist das Team aber umgeschwenkt: „Wir haben jetzt traditionelleren, rundenbasierten Kampf“, erklärt Felix. Bei der Beratung im Games Lift Inkubator wurde überlegt, wie spitz die Zielgruppe für den Genremix wird. So kamen alle zu dem Entschluss, das originelle Setting nicht auch noch mit rundenbasiertem Sport zu kombinieren.
Diese Änderung erlaubt einen stärkeren Fokus auf die Erzählung. Fordernd genug ist das Spiel auch weiterhin, sagt Felix: „Die Reality Show bringt einen starken Hook mit, weil das Publikum verschiedene Dinge von dir erwartet.“ Kämpfe gewinnen, den Wünschen der Zuschauenden entsprechen und sich nebenbei mit einem ganzen Ensemble teils sehr verschiedener Charaktere arrangieren, das wird im Spiel zur Herausforderung.
Die Inspiration hinter dem Konzept ist überraschend konkret. Adri kommt aus Peru und berichtet von dem anstrengenden Prozess, das Visum zu verlängern: „Dabei entsteht ein Gefühl, ständig überwacht zu werden, ständig etwas darstellen zu müssen.“ Beobachtet zu werden, einem Publikum gefallen zu müssen, anderen ausgeliefert zu sein – das kann sich anfühlen wie eine Reality-Show. Die Konsequenzen beim Scheitern sind allerdings drastischer. Die absurde Erfahrung wird in „Limbo City AfterLIVE“ zur Inspiration für eine surreale Erzählung.
Echter Teamsport
Dagegen klingt die Schilderung der intensiven Arbeit im Games Lift Inkubator fast entspannt. Schon beim Pitch-Workshop habe sich gezeigt, wie begeistert alle Teams dabei sind und auch einander helfen, berichtet Adnan: „Da wurde vielleicht 10 Minuten gepitcht, und dann eine Stunde lang intensiv diskutiert!“ Niemandem sei dabei die Puste ausgegangen, auch wenn die Beratungen sich über den Tag hingezogen hätten.
Diesen Enthusiasmus wissen Curio Compass nicht nur zu schätzen, sie verbreiten ihn selbst. „AfterLIVE“ ist in noch einem frühen Stadium, Grundlegendes hat sich in den letzten Wochen geändert, doch das Team blickt optimistisch in die Zukunft. Sie arbeiten intensiv am Design, entwickeln ihren neuen Pitch, sind auch noch mit ihrem Master-Studiengang beschäftigt. Und mit „AfterLIVE“ wollen sie sich für die Prototypenförderung von Gamecity Hamburg bewerben. Wie man Bälle in der Luft hält, wissen sie.











